!Bad Bonn Kilbi 2023!
Guess the Google, hier kommt die Bad Bonn Kilbi, mit dem Esel oben und einem Schnellgalopp durch das Programm. Was das für eine Ausgabe wird.
Alto Fuera
Wo beginnen? Ganz vorne, also am Donnerstag beim Buchstaben A wie Alto Fuera. Weil ich kein Superchecker bin und auch mir diese Band noch unbekannt war, führt mich Google auf Soundcloud und zu einem Eintrag, in dem es heisst: «Heady vocals, synthetic Andean flutes, otherworldly percussion and hand-played reggaeton, the duo Alto Fuero invents a world music from an imaginary world and stretches the notion of folklore in all directions.» Und auch: «Reggaeton? Folk circus? Lo-fi noise?» Hier bereits: eine Vorfreude, von der ich gestern noch nichts geahnt habe. So soll es sein.
Veronica Vasicka
Minimal Wave heisst das Label und die NTS-Sendung von Veronica Vasicka. «Lost Synth-Wave»-Songs und ein paar Klassiker geben bei ihr die Frequenzen an, die man in den meisten Fällen unmöglich shazamen kann. Gut für den Akku, und die Konzentration aufs Tanzen.
Jockstrap
Der hirnrissige und natürlich hinreissende Beavercore aus den Vorpandemiejahren ist immer noch erahnbar, aber Jockstrap sind seit ihrem Rough-Trade-Debüt «I Love You Jennifer B» auch Popstars in vielen kleinen Welten. Greatest Hits? Geschenkt. (Wobei: den zahlenmässig greatest hit wird 070 Shake mit «Escapism» an der Kilbi spielen...)
Blackhaine
«Unless you wanna be a footballer or a fucking gangster or summat, then there’s nothing else to do really. So I just started writing.» Das erzählte Tom Heyes vor einem Jahr im «Guardian» über seine Heimat Preston. Von dort nun: diese heavy niederschmetternde Drill-Industrial-Strobomusik. Wer noch nach Bewegungen sucht? Auf die Dachterrasse nach Barcelona.
Jana Rush
Andere zuckende Moves, die ich bewundere: Jana Rush kennt sie und kanalisierte alle ihre Dämonen im vielleicht düstersten und auch persönlichsten Footworkalbum der Geschichte. Danach? Erst mal neu zusammensetzen.
Σtella
Ist es zu heavy hier? Na, eigentlich nicht, weil wie immer gibts an der Kilbi auch Songs und Pop und sowieso viel Freude. Aber so leicht die griechischen Mittelmeer-Vignetten bei Σtella zunächst scheinen: ganz wegträumen und alle Realitäten vergessen ist dann doch nur etwas für All-Inclusive-Tourist:innen.
Lael Neale
Weiter mit Sub Pop, dieses Mal klassischer bzw. eher das, mit dem das Label noch immer verbunden wird. Also mach dich bekannt mit der Nacht und den Songs von Lael Neale, die bis dann auch in neuer Albumgrösse scheinen werden und bis nach Verona führen.
Taimashoe & Noi Noi
Gessica Zinni spielt doppelt: mit Taimashoe-Band und im Duo mit Plouk-Hausgenie Beni Fritz als Noi Noi. Ihre Geschichte bis vor einem Jahr: nachzulesen im eröffnenden und ewigen splatz.space-Artikel. «Und du findest einfach: That’s the shit, I love it.»
Disco Doom
Vom Mt. Surreal und ihrer US-Tour zurück nach Düdingen: Anita Rufer und Gabriele di Mario haben die besten Gitarren, die nicht nach Gitarren tönen: Clic Clac! (Und ebenfalls mehr zu ihnen auf splatz.space.)
Gnod
Die besten Gitarren, die nach Gitarren tönen: die haben dieses Jahr an der Kilbi viele, aber da kennen sich sehr viele auch sehr viel besser aus. Deshalb hier der Hinweis auf Gnod – ursprünglich aus Salford, heute eher auf dem Land wohnhaft – die im Kollektiv immer noch eine der konsequentesten Musiken der Gegenwart heraushauen. Weil noch immer gilt: Just Say No To The Psycho Right Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine. Yes. (Und aber auch: Moin! Weil Links gibts soo viele.)
Marina Herlop
«Pripyat» nimmt immer noch ein, mit all den Shifts und Verschiebungen und ungeahnten Twists. Und erinnert auch an das fantastisch durchchoreografierte Konzert am Saint Ghetto in der Dampfzentrale. Wer da nicht da war? Neue Chance.
Mark Ernestus' Ndagga Rhythm Force
Eine meiner liebsten Kilbi-Ausgaben war jene des freitanzenden Jahres 2012, als Mark Ernestus Jeri-Jeri präsentierte. Das ist wirklich lange her, und die Rhythm Force von damals hat sich in diese konzentriertere Form weiterbewegt und funkt immer noch zwischen Berlin und Dakar alle möglichen Codes durch.
Ocen James & Rian Treanor
Auch hier: fortwährende Codes zwischen Nyege-Nyege-Fidler Ocen James und Rian Treanor, der endlich an der Kilbi spielt. Wie es klingen könnte? File Under UK Metaplasm, aber eben nicht nur.
Debonair
Zum Schluss: endlos weitertanzen, nicht nur zu DJ Fett, sondern dieses Jahr besonders auch bei Debonair. Schlicht fantastisch.