Der Tag des Jenseits an der Bad Bonn Kilbi 2015

spinne Benedikt Sartorius. Journalist und Popkulturist.

Hier wurden die Sinne verwirrt: Der Schlussabend der diesjährigen Bad Bonn Kilbi mit Shabazz Palaces, Viet Cong und Vessel.

Nicht nur der Teufel scheut den Weihrauch und Räucherstäbchen, sondern auch ich, deshalb startete der letzte Tag der Bad Bonn Kilbi Jahrgang 2015 nicht mit dem eingeräucherten Stahlberger-Spinoff Lord Kesseli & The Drums, sondern gleich mit den glücklicherweise ins Programm nachgerückten Shabazz Palaces. Palaceer Lazaro und Tendai Maraire fliegen spätestens seit ihrem letztjährigen Space-Suitenwerk «Lese Majesty» in einer eigenen Rapumlaufbahn, und am kompakten Festivalset floss – anders als am arg verpeilten, epischen Konzert in der Roten Fabrik im März – alles ineinander, was diese Musik so grossartig macht: die klatschenden Drummaschinen-Beats und die Geistersänge von früher, die Perkussion und Daumenklaviere von Maraire, der jenseitige Afrofuturismus der aktuellen Platte und natürlich die Raps von Lazaro. Und natürlich haben in so einem free flow auch lustige Tanzchoreografien Platz, yeah you.

«Yeah you» war auch meine erste Reaktion, als ich auf dem diesjährigen Line-Up den Arthur-Russell-Tribute-Programmpunkt gelesen habe. Doch je näher das Konzert seiner Teilweise-Weggefährten rückte, desto banger wurde mir vor der Aufführung seiner Instrumentals. Und die Angst war auch nicht unbegründet, denn vieles wirkte betulich, nur nicht die Posaune von Peter Zummo. Zur Versöhnung spielte die Big Band (feat. Rhys Chatham, Ernie Brooks, Peter Gordon...) «Is It All Over My Face», eine dieser unsterblichen Disco-Nummern von Arthur Russell (der eine lebendigere Ehrung verdient hätte), mit der sichs aber wunderbar in den späteren Abend reintanzen liess.

Ein Abend mit Viet Cong, die bis dahin das Gitarrenalbum des Jahres erschaffen haben, doch das Konzert gestaltete sich überraschend schwierig (diese Gesänge), bis die Kanadier zu ihrem Rausschmeisser «Death» ansetzten. Auch das: ein Monster von einem Track, nachdem mir an diesem Festival fast alles gesagt schien, was Gitarren ausdrücken können, und deshalb: auf in das Clubhaus zu Vessel und seiner enorm körperlichen und angstvollen Unterweltsmusik. Die Dämonen der Clubkultur von Bristol: sie versammelten sich im alle Sinne verwirrenden Set des unglaublich freundlichen Sebastian Gainsborough, der sich in die Ahnenreihe von atemraubenden Kilbi-Electro-Acts einreihte. Und als man sehr spät wieder zu Sinnen kam, dann waren in der Kantine noch die Merksätze «My name is Zebra fucking Katz» und «I'mma take that bitch to college // I'mma give that bitch some knowledge» zu vernehmen. Was für ein Schluss.

Die Bilanz?

Lohnenswerte Bilderbögen gibts hier, den Bericht zum Freitag finden Sie da und der Donnerstag unter diesem Link. Danke sehr fürs Lesen.

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